Donnerstag, März 6

Gesplittet, Teil 2

Jungbluth / Callow Split 7"



Als die drei Jungs unserer Lieblings-Hardcore-Punk-Band Jungbluth im April 2013 die Oldenburger Tonmeisterei betraten, wollten sie eigentlich nur die Songs für ihr Debüt-Album "Part Ache" einspielen und aufnehmen lassen, von denen es letztendlich allerdings nicht alle auf die LP schafften. "Keeping Peace" war so ein Song, der nun also lose im Überhang darauf wartete, sich irgendwann mal auf einem physikalischen Release wiederzufinden. Ein Song, der sich über zirpendes Feedbackgequietsche zum wuchtigen Breakdown hineinsteigert, zur Mitte hin mit Umwegen über den Post-Rock einen neuen Spannungsbogen aufbaut, und damit eigentlich alles im Kern zusammenfasst, was das münsteraner Trio zu einer der außergewöhnlichsten und aufregensten Band der Gegenwart mausern lässt.
Ende 2013 klopften die fünf Amerikaner von Callow mit der Idee eines gemeinsamen Split-Releases bei Jungbluth an, die sich sofort für dieses Vorhaben begeistern konnten. Na klar, immerhin hatten sie ja noch einige Songs im petto, von denen "Keeping Peace" nun also die A-Seite zieren dürfte. Bei Callow lief das alles etwas langwieriger ab, die im Gegensatz zu ihren Split-Partnern die Songs nicht live einspielten, sondern Stück für Stück zusammensetzten. Die drei neuen Songs entstanden so über einen Zeitraum von fast drei Monaten, in dem die Instrumente separat voneinander eingespielt, Rough-Mixes hin und her geschickt und schließlich irgendwann fertig gemastert wurden, glücklicherweise aber nicht nach einer solch anstrengenden Odyssee klingen. Mit "Bildungsroman", der die folgenden sechs Minuten der B-Seite eröffnet, kommen Callow recht ungestüm aus den Startlöchern, die Post-Hardcore und Crust-Punk zu einem bedrohlichen Brocken verschmelzen lassen und somit die düstere Grundstimmung der A-Seite weiter aufrechterhalten. Doch wie schon bei Jungbluth, hält auch das Quintett aus Philadelphia keine großen Stücke auf Geradlinigkeit und bremst stattdessen seine Songs immer wieder bis kurz vor dem Sludge aus, bis diese sich mit aufwallenden Gitarrenwänden gen Ende schleppen. Das ist sicherlich nicht neu, dafür solide in Szene gesetzt.

Von der Split-7" wurden insgesamt 1000 Exemplare gepresst. 100 Stück auf transparent blauem (natürlich bereits vergriffen), 200 Stück auf weißem (nur noch in Amerika erhältlich) und 700 auf schwarzem Vinyl.

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DL A-Side (Jungbluth)

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Willy Fog / Maîtresse Split 7"


Nachdem sie bereits mit Krawehl, Alles wegen Lilly und Freiburg gemeinsame Sache machten, könnte man die Dortmunder Band Willy Fog durchaus als Split-Routiniers bezeichnen. Für das vierte Split-Release reanimierten sie Mitte des letzten Jahres ihre befreundeten Kollegen von Maîtresse, die es ja eigentlich schon seit Ende 2011 nicht mehr gibt. Schön also, dass sich das (ehemalige) Mainzer Quintett, das sich mittlerweile auf Bands wie Flo und Paul und Flo, Marais, You, the Ocean und Birmingham Pines verteilt hat, doch nochmal aufrappeln konnte, um im Dezember 2012 einen neuen Song einzuspielen, der nun die B-Seite der Split-7" belegt. "Enter Sandmann" heißt der Song, der sich quasi etappenweise über vier Spielminuten erstreckt und in dem die Band vielleicht noch ein letztes Mal vollkommen in ihrem äußerst spielfreudigem Indie-Post-Punk aufgehen kann.
Für die ebenfalls zu fünft aufgestellten Willy Fog bedeutete der Termin zur Split-Veröffentlichung im August letzten Jahres auch gleichzeitig vierjähriges Bandjubiläum. Dazu steuerten sie mit "Felis" und "Lupus" zwei neue Songs bei, die sich in gewohnter Manier und ausgelassen zwischen Punk und Post-Hardcore austoben und somit weiterhin eine passende Alternative zu Captain PlanET & Co. abgeben oder noch immer über das Auseinanderscheiden einstiger Frau Potz hinwegtrösten können.

Die Split-7" wurde in einer limitierten Auflage von 200 Stück auf Clear Vinyl gepresst und erschien als Co-Release über das junge Label Chapter 13 Records sowie das aus finanziellen Gründen leider "schlafen gelegte" 100kiloherz.


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Hey, Joni / Cast Ashore Split-Tape


Bei allem Respekt, aber die drei Jungs von Hey, Joni sollten so langsam mal ihre Coverarts überdenken, denn so pop-punkig bzw. Melodycore hören sich die Engländer nun wirklich nicht an. Für ihre gemeinsame Split mit den Sheffielder Punks Cast Ashore haben sie aber vielleicht ihre bislang eingängigsten Songs zusammengeschustert. Doch statt Happyness steht vielmehr das große, leidige Thema Trennung auf der Tagesordnung, allen voran der schmerzliche Abschied ihres Drummer Hayden. Zwar heißt es im gleichnamigen Song "Hayden you're OK", doch scheint sich jede weitere Verswiederholung wie ein Messer immer tiefer in die noch nicht ganz verheilte Wunde zu bohren, erst recht, wenn sich die übrigen Bandmitglieder zum Ende hin zu einem erbitterten Groupshout vereinen.
Die vier Engländer von Cash Ashore blieben von derartigen Problemen noch verschont. Nach zwei EP's, versprühen die auf ihrem dritten Release lieber Gute-Laune-Punk, der zwar auch gelegentlich dem Midwest-Emo einen melancholischen Blick zuwirft oder mit kleinen Trash-Allüren zu kämpfen hat, der sich weitgehendst der Sonnenseite des Split-Tapes zuwendet und somit auch den höheren Spaßfaktor bietet.

+++Hey, Joni Links: Facebook//Bandcamp//Soundcloud//Bigcartel+++

+++Cast Ashore Links: Facebook//Bandcamp//Soundcloud//Bigcartel+++

DL A-Side (Hey, Joni)
DL B-Side (Cast Ashore)
DL Complete Split via Wolf Town DIY


Amber / Locktender Split 7"


Im Sommer letzten Jahres stockte der eingefleischten Amberfangemeinde plötzlich der Atem, als Sängerin Anna, schreiendes Herz der Band, ihren Austritt aus der Band verkündete. Nach ihrer kurz zuvor erschienenen zweiten LP "Lovesaken" und dem Repress ihres selbstbetitelten Debüts auf Vinyl, kam diese Nachricht doch schon sehr unerwartet. Ans Aufhören dachten die verbleibenden 4/5tel-Amber glücklicherweise nicht und so wurden sie schließlich zwei Monate später bei der metallischen Post-Hardcore-Truppe Curse This Ocean fündig, dessen Frontmann Julian nun vor der schwierigen Aufgabe steht, die irritierten Fans von ihrer Trauer loszueisen. Bewährungsprobe dafür stellt nun die für April 2014 angekündigte Split-7" mit den Clevelander Split-Routiniers Locktender dar, der Amber einen neuen Song beisteuern. Der hört auf den Namen "Heritage" und beginnt mit düsterem Post-Hardcore, schwellt über viereinhalb Minuten aber immer mehr zu episch brachialen Post-Metal an. Noch ein Stück weit ausdauernder und mit übergeleitenden ruhigen, sphärischen Parts präsentiert sich der Song "To Ashes", der ebenfalls während der Split-Recordsession entstand, allerdings auf dem Labelsampler "The Bugs in Your Brain" (kaufe HIER) von Zegema Beach Records landete. Der Song ist auch im Downloadpaket, das der Split-7" beigefügt ist, enthalten.
Die B-Seite der Split belegen die vier Amerikaner von Locktender, die sich aus der ehemaligen post-rockigen Screamoband Men As Trees neu formierten. Ein Song, der mit plänkelnden Post-Rock-Gitarren und entfesselten Ausbrüchen schon mal fünf Minuten Werbung für's, ebenfalls im April kommende, zweite Album "Rodin" betreibt. Mit ihrem atmosphärischen Post-Hardcore/Metal somit kein Kontrast, sondern eine hervorragende Ergänzung zur A-Seite.

Eintausend Split-7inches wurden insgesamt gepresst, wovon die ersten 300 weißes Vinyl zieren. Pre-Order startet am 01.03.2014.

+++Amber Links: Facebook//Bandcamp+++

+++Locktender Links: Facebook//Bandcamp//Wordpress//Soundcloud//Storenvy//Free Downloads+++

Stream via Scratch the Surface

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Ancst / Smuteční Slavnost "Cynics & Outcasts" Split-Tape


Black Metal und NSBM, eine Verbindung, die keiner haben will, dessen Assoziation einem dennoch immer wieder in den Kopf schießt. Ancst (anfangs noch unter dem Namen Angst) sehen sich mehr als Kollektiv, das im Kern die beiden Berliner Musiker Torsten und Tom verborgen hält. Letzt genannten kennt man nicht nur als designenden "Bastard", sondern auch von Hardcore- und Trashpunk-Szenegrößen wie Afterlife Kids oder Henry Fonda. Ihr Projekt Ancst dient nun also nicht nur zur akustischen Umsetzung ihrer düsteren Fantasien und antireligiösen Haltung, sondern auch, um rassistischen, sexistischen und jeglichen diskriminierenden Gedanken den Mittelfinger entgegenzustrecken. Ein klares Statement, das mit viel Doublebass und messerscharfen, Melodie infizierten Gitarren, die paranoiden Vorurteile aus den Köpfen der Hörerschaft prügelt. Zu hören gibt's drei, bereits länger wartende Songs vom zweiten (unveröffentlichten) Demo.
Ein klares Zeichen setzt auch das Prager Black-Metal-Outfit Smuteční Slavnost: "Death to nazi metal!" Die steuern der Split mit "Jak se rozloučím?" zwar lediglich nur einen Song bei, der allerdings mehr Spielzeit für sich beansprucht, als die drei Ancst-Songs zusammen. Dabei schreddern sich die Tschechen anfangs gut drei Minuten durch ebenfalls grindartiges Doublebassgehämmere, ehe sich atmosphärische Gitarren breit machen und zumindest zeitweilig etwas Druck von den Ohren nimmt.

"Cynics & Outcasts" erschien in Kooperation der beiden Berliner "Schlafzimmer-Labels" Skull Witch Records und Yehonala Tapes und wurde auf 100 Tapes und 50 CD's verteilt.

+++Ancst Links: Tumblr//Facebook//Soundcloud//Myspace//Bandcamp+++

+++Smuteční Slavnost Links: Wordpress//Facebook//Bandcamp+++

DL Ancst/Smuteční Slavnost Split-Tape (Complete with Outro)
DL Split-Tape (without Outro)

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 Die Shitlers / Nitro Injekzia Split-Tape


Kein Stream, keine Werbung, und auf die bescheidene Ankündigung "Pott trifft Hauptstadt!" werden wohl bloß Diejenigen stoßen, die aus unerfindlichen Gründen irgendwann mal am Nabel von LastExitRecords hängen geblieben sind. Nach ihrem Gold-Album haben Die Shitlers sowieso keinen Support mehr nötig, außer von ihren Ultras, die sich auch ungebeten bedingungslos hinter ihrem heiligen Trio aufstellen und bis in den Tod folgen werden. Das Split-Tape, von dem bislang noch nicht einmal die komplette Setlist bekannt geworden ist, bleibt somit vorerst ein Überraschungspaket. Frank Shitler, der von den Ultras als "größter Punkstar der Geschichte" in unantastbare Höhen gelobt wird, war allerdings vor kurzem zu Gast im Punkrockers-Radio und gewährte der Hörerschaft einige Einblicke sowie die Weltpremiere der drei neuen Shitlers-Songs. Und die streifen zur Abwechslung tatsächlich etwas überraschend ihr albernes Kostüm ab und widmen sich stattdessen den ernsteren Themen, wie der Krebserkrankung eines Freundes oder der Band Frei.Wild, die zum Abschuss freigegeben wird. Musikalisch knüpfen sie nahtlos an die größten Erfolge ihrer "groessten Erfolge" an und finden sich präzise und ansteckend zwischen Deutsch- und Melodic Punk wieder.
Split-Partner ist das russisch-kanadische Trio Nitro Injekzia, die im Jahre 2011 in Berlin zueinanderfanden und seitdem melodischen, ska-infizierten und zumeist russisch-sprachigen Punkrock fabrizieren. Ende 2012 erschien ihr Debüt-Album "Выбитые Зубы", welches auf Bandcamp gestreamt werden kann.

+++Die Shitlers Links: Bandpage//Facebook//Reverbnation//Tumblr//Soundcloud+++

+++Nitro Injekzia Links: Bandpage//Facebook//Bandcamp+++

Punkrockers-Radio-Interview mit Frank Shitler

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