Montag, August 21

Egotronic - Keine Argumente!




Es gibt so viele Dinge über die man eigentlich sprechen müsste in diesen Tagen, zum Beispiel über die tägliche Gewalt an Flüchtlinge. Seit Jahresbeginn verging in Deutschland praktisch kein einziger Tag ohne einen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim und es grenzt an ein Wunder, dass es bisher noch keine Toten gab. Nur öffentlich gesprochen wird darüber so gut wie gar nicht. Glauben Sie nicht? Schauen Sie mal!

Deutschland war ja an sich schon immer Scheiße, aber mit der Gründung von AfD und Pegida e.V. geht es hier doch noch schneller den Bach runter. Gut, dass Torsun von Egotronic noch seiner Attitüde treu bleibt und 10 Jahre nach Raven gegen Deutschland weiterhin Songs schreibt, die polemisch und unverblümt das Leben in diesem Land kritisieren. Damals noch im Elektropunk-Gewand geht es heute mit richtiger Band in Garage-Punk-Richtung. Gitarren und Schlagzeug verleihen Egotronic mehr Klangfarbe und Härte, die man bei so viel Wut erwartet. "Keine Argumente!" ist aber nicht nur ein Bollwerk gegen Deutschland, sondern auch gegen Sexismus, provinzialen Faschismus, Arbeit und den restlichen menschlichen Ekel auf dieser Welt.
Mit "Deutschland, Arschloch, fick dich" wird direkt zu Beginn des Album klar in welche Richtung es hier geht. Der Song ist zwar schon etwas älter, wurde aber speziell für das Album noch mal neu vertont und wird mit dem Vegan Bacon - Refrain zur wahren Hymne des Antideutschen.
Folgend der Song "Scheiße bleibt Scheiße" mit der Elektroband Alles.Scheisze. Die kennt man vielleicht schon durch ihre Tracks "Frei.Wild ist scheiße", "Israel ballert" oder "Deutschland du mieses Stück Deutschland" und machen damit ganz klar deutlich, wo der Merkava drüber muss. Beide Bands passen also zusammen wie die Faust auf's Auge und umso schöner ist das Schreiduell im gemeinsamen Song:


Anschließend wird's mit "Hallo Provinz" leicht post-punkig. Torsun macht in diesem Song deutlich, wie sehr der Konservatismus auf dem Dorf total für'n Arsch ist und wieso man da so schnell wie möglich weg sollte. Ähnlich in den nächsten Songs "Odenwald", der übrigens von Rod Gonzalez von den Ärzten mitproduziert ist, und "Komm wir zieh'n ans Meer". Beide Songs sind etwas ruhiger und entnehmen dem Album etwas die Hektik für "Hauptstadt der Bewegung" und "Die neue Hammerhead". Letztere ist eine Ode an die Hardcore-Punks Hammerhead, deren EP "Opa war in Ordnung" ein echter Segen für die Musikwelt 2016 war. Mit erhöhtem Einsatz von Synthesizer schaffen Egotronic hier einen krassen Gegensatz zur besungenen Band und feiern den Punk auch über Genre-Grenzen hinaus. Frontmann Torsun hegte aber auch schon lange vor seiner Egotronic-Karriere Liebe und Kontakte zu Bands jeglicher Punk-Genres. So spielte er '93/'94 Bass in der Punkrock-Truppe Kalte Zeiten, die er in "Deine Melodie" besingt. Diese Melodie halten Egotronic in einem Synthesizer-Intro fest und verewigen damit eine Melodie, die ein sehr guter Freund Torsuns damals immer auf Gitarre gespielt hat.


Das folgende "Ich weiß die Welt riecht streng nach Pisse" ist ein interessanter Versuch aus einem Hass-Song ein Liebeslied zu machen. Der Song hilft dabei die Stimmung des vorigen Songs zu relativieren, bevor dann mein persönlicher Lieblingssong "An die Wand" an der Reihe ist. An der Stelle will ich einfach nur Emilie Krawall (Frau Mansmann) zitieren, die im Refrain singt: "Wir stell'n ganz Deutschland an die Wand und Sachsen ist als erstes dran!
Abschließend gibt es das obligatorische Lied über Prokrastination mit scharfer Kritik an die heutige Leistungsgesellschaft, das bei noch keinem Egotronic-Album fehlte.

Als besonderes Highlight der Platte gibt es für die Retro-Fans auf der zweiten Scheibe die komplette Tracklist nochmal als 8-Bit-Versionen. Das ganze kann man physisch auf 2 LP mit Downloadcode oder 2 Doppel-CD erwerben.


Band: Egotronic

Titel/Release: Keine Argumente!

Label: Audiolith Rec.

Erscheinungsjahr: 2017

Genre: Electro, Garage, Punk, Chiptune

Links: Bandpage\\//Facebook\\//Audiolith Rec.

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